Unter diesem Titel möchten wir Sie zu einer Reise durch die der Reichshauptstadt nahe gelegenen Orte einladen. Der Reisende mag uns gestatten, hier die Bedeutung des mittelalterlichen Wortes "Alfoz" im Sinne von "ländlicher Bezirk oder Gemeindegebiet einer Stadt, die von deren Kommunalbehörden abhängig waren" in unsere heutige Zeit zu bringen. Heutzutage ist kein Etappenort dieser Reiseroute - außer El Pardo - verwaltungsmäßig von der Hauptstadt abhängig. Trotzdem hat die Nähe dieser Orte zu Madrid im Verlaufe der Jahrhunderte zu einer territorialen Verflechtung zwischen der Stadt und ihrem Umland geführt, sodass der Begriff "Alfoz" zumindest im übertragenen Sinne seine Berechtigung hat.
Seit den Zeiten Philipp II. ist Madrid ständig gewachsen. Die angrenzenden Städtchen sahen sich gezwungen, viele ihrer Ressourcen entweder zugunsten der Krone oder aufgrund des Drucks zu opfern, der von den vielen aus wirtschaftlich ärmeren Regionen Hinzugereisten ausgeübt wurde, die in Madrid und der Umgebung der Reichshauptstadt ihr Glück suchten.
Wir würden uns freuen, wenn der Reisende auf dieser Route vom steten Werk der Menschen erfährt, die sich seit Jahrzehnten darum bemühen, ihren Orten die Identität zurückzugeben, die ihnen nach und nach verloren gegangen war.
Wir beginnen unseren Ausflug auf der N-I und setzen die Route dann im Uhrzeigersinn durch die der Hauptstadt am nächsten gelegenen Ortschaften fort.
Iglesia de San Pedro: barocke Kirche aus dem 18. Jahrhundert. Museum der Wissenschaften.
Im Jahr 1492 durch einige Bürger von Alcobendas und San Agustín de Guadalix nach einem Gesuch an die Katholischen Könige gegründet. Besonders berühmt sind die Stiertreiben der Fiesta del Cristo de los Remedios. Pfarrkirche: Marmor-Christus aus dem 18. Jh.
Ehemals Torrejón de la Ribera, dem von König Philipp V. der Titel Königliche Residenz verliehen wurde (1746). Er gründete hier die Real Fábrica de Tapices (Königliche Gobelinmanufaktur) und siedelte Kunsthandwerker aus ganz Europa an. Ferdinand VI. förderte den Ort und gab ihm seinen heutigen Namen.
Durch den Ortskern verläuft die Cañada Real Galiana, die Miguel de Cervantes bei seiner Flucht aus Alcalá de Henares benutzte. Es wird berichtet, dass er sich hier entschied, nach La Mancha zu gehen und seinen berühmten Roman Don Quijote zu schreiben.
Im 12. Jh. gegründet, erhielt sie das Stadtrecht im 16. Jh. Iglesia de la Natividad de Nuestra Señora (16. Jh.): gotische Kirche mit dem Grundriss in Form eines griechischen Kreuzes, barocke Kapelle des San Fausto, in der die sterblichen Reste des Heiligen aufbewahrt werden.
Arabischen Ursprungs, obwohl sein heutiger Name aus der Zeit der Reconquista stammt. Aussicht auf die Felsen des Jarama von der Wallfahrtskapelle der Ermita del Cristo de los Afligidos de Rivas.
Durch diesen Ort verlief die Römerstraße, die Titulcia mit Complutum verband. Ehemals arabischer Besitz und danach zum Erzbistum von Toledo zugehörig, verkaufte Philipp II. den Ort an den Duque de Lerma. Iglesia de San Juan Bautista (16.-18. Jh.): Kirche im Herrera-Stil mit Elementen im Renaissance- und Barockstil; hier ruhen die Großeltern von Cervantes, sehr interessantes Renaissance-Retabel. Die Casa del Rey (17.Jh.) - heute Kulturzentrum bewahrt ihre ursprüngliche Fassade. Die Ortschaft gibt einem der Weinanbaugebiete mit der Herkunftsbezeichnung "Vinos de Madrid" (Weine aus Madrid) ihren Namen. Dehesa del Carrascal: Naturpfad zwischen Zenn- und Steineichen, Trauerweiden und Pinien.
Die Landwirschaft ist auch weiterhin Haupteinkommensquelle des Ortes. Iglesia de la Natividad: gotische Kirche aus dem ausgehenden 15. Jh., mit Turm aus vier Körpern und Turmhelm aus dem 17. Jh. Interessante Landwirtschaft- und Viehzuchtanlagen: Gózquez de Arriba (16. Jh.) und Gózquez de Abajo. Reste von Befestigungen und Verschanzungen aus dem Spanischen Bürgerkrieg von 1936. Presa del Rey: Vogelschutzgebiet innerhalb des Parque Regional del Sureste.
Römischen
Ursprungs, 744 von den Arabern zerstört und im Jahr 1085 durch Alfons VI. wiedererobert;
gehörte dem ersten Conde de Chinchón. Hier wurden Ventura Rodríguez, Schöpfer
des Paseo del Prado und seiner berühmten Springbrunnen und Felipe Mora, der die
noch heute in Gebrauch befindliche Real Acequia del Jarama (Königlicher Bewässerungskanal
des Jarama) entwarf, geboren. Plaza Mayor mit Säulengang. Iglesia de Santa María
Magdalena (17. bis 18. Jh.): In der Kirche werden zwei Kunstwerke aufbewahrt, die
Claudia Coello zugeschrieben werden.
Arabische
Siedlung, die von Alfons VI. wiedererobert wurde. Historischer Stadtkern mit Herrenhäusern
und Klostern, der unter Denkmalsschutz steht. Plaza de la Constitución (17. Jh.):
mit Kolonnaden und Balkons. Barockkirche Iglesia de la Asunción (17. Jh.): über
einer ehemaligen Moschee erbaut, bewahrt Kunstwerke von Gaya, den Gebrüdern Bayeu,
Claudia Coello, Carducho und Van de Pere sowie Holzschnitzereien und verschiedene
Gegenstände der Gold- und Silberschmiedekunst.
Römische Siedlung mit Namen "Punctum" (Mitte der Iberischen Halbinsel). Turm aus dem 15. Jh.: Überbleibsel einer Burg des Duque de Frías; zu Zeiten Philipp II. waren hier die Verschwörer Antonio Pérez und Ana de Mendoza, die Prinzessin von Eboli gefangen. Iglesia de Santo Domingo de Silos (15.Jh.): drei getrennte Kirchenschiffe mit Renaissance-Pilastern, wunderschöne Kanzel im plateresken Baustil und verschiedene Barockretabel.
Römischen Ursprungs, obwohl erstmalig im Jahr 1338 erwähnt. Iglesia de la Asunción (16.Jh.): Altarraum der Kirche mit original gotischem Kreuzgewölbe.
Iglesia de la Asunción de Nuestra Señora (15.-18. Jhs.): Kirchturm mit Ziegeln im Mudejarstil, Retabel im Stil des Churriguerismus (spanischer Barock des 16./17. Jhs.). Convento de las Clarisas (17. Jh.): Backsteingebäude mit flachem, spitzen Glockenturm, Renaissance-Retabel von Juan de Correa.
Iglesia de Santo Domingo de Guzmán: umfangreiche Sammlung von polychromen Heiligenbildern des 16., 17.und 20. Jhs.
Im Jahr 1375 an einer Stelle gegründet, an der sich ein "in Stein gehauener Brunnen" in einer Pappelallee mit Wasserquellen befand. Iglesia de San Esteban Protomártir: Kirche im Renaissancestil, die jedoch Mitte des 20. Jh. grundlegend umgebaut wurde; besitzt ein Churriguera zugeschriebenes Retabel und ein Gemälde von Claudia Coello.
Siedlung
arabischen Ursprungs, die im 11. Jh. wiedererobert wurde. Iglesia Catedral de Santa
María Magdalena: Katedrale nach einem Entwurf von Covarrubias, erbaut im Jahr 1549
unter der Leitung von Juan Francés, kunsthistorisches Denkmal, Gemälde von Alonso
Cano. Weitere Sehenswürdigkeiten: "Hospitalillo" de San José (1527) und Colegio
de los Escolapios (1737). In der auf 665 m Höhe gelegenen Wallfahrtskapelle Cerro
de Los Angeles (14.-18. Jhs.) wird die Schutzheilige des Ortes verehrt. Die von Alfons
XIII. im Jahr 1919 eingeweihte Figurengruppe wurde 1936 während des Spanischen Bürgerkrieges
zerstört und 1965 erneut der Öffentlichkeit übergeben.
Iglesia
del Salvador (1660): im Barock von Madrid erbaute Kirche; ein dutzend Retabel und
Altare, der Hauptaltar ist ein Werk Churrigueras; kleines Museum religiöser Kunst.
Die runde Wallfahrtskapelle San Nicasio mit Laternenkuppel wurde von Ventura Rodríguez
entworfen. Die ehemalige Fassade der Kaserne des Sabaya-Regiments wurde von Sabatini
erbaut und ist heute Bestandteil der Universidad Carlos III. Parque de la Polvoranca
und Lagune Mari Pascual: interessante Parklandschaft mit Spazier-und Wanderwegen.
Erstmals zu Zeiten Alfons VIII. (13. Jh.) erwähnt. Backsteingebäude der Iglesia de Santa María la Blanca, Kirchturm, Grundriss in Form eines Hochkreuzes und Tonnengewölbe, barockes Retabel, mit Figuren besetztes Taufbecken. Die als Schlösser konzipierten Palacios de Valderas (19. Jh.) wurden von den ortsansässigen Escuelas Talleres restauriert; ein Palast beherbergt ein interessantes Glasmuseum.
War im 19. Jh. ein Ackerbauer- und Viehzüchterdorf, das weniger als 300 Einwohner zählte. Im Jahr 1808 erklärte Andrés Torrejón, der Bürgermeister des Ortes Napoleón den Krieg, damit begann der spanische Unabhängigkeitskrieg (Guerra de la Independencia). Iglesia de la Asunción: Apsis im Mudejarstil, aus drei Körpern mit Eisenschmiedebögen, ähnlich gestalteter Turm. Ermita de Nuestra Señora de los Santos: Wallfahrtskapelle aus Back- und Bruchstein mit einem herrlichen Barockaltar.
Die Burg wurde während des Aufruhrs der Comuneros (Anhänger der Comunidades de Castilla) unter Karl V. beschädigt und Ende des 16. Jh. unter der Leitung von Juan de Herrera wiedererbaut. Ferdinand VI. besuchte den Ort häufig bei Jagden und Spazierritten und zog sich nach dem Ableben von Maria Barbara von Portugal im Jahr 1758 hier bis zu seinem Tod 1759 zurück; heute beherbergt sie das Archivo General del Aire aufbewahrt.
Arabischen Ursprungs. Der Bau des Palastes wurde durch den spanischen Infanten Don Luís de Borbón y Farnesio (1765) nach seiner Ausweisung aus Madrid aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit seinem Bruder Karl III angeordnet; Entwurf und Bauausführung von Ventura Rodríguez. Iglesia de San Cristóbal: teils als Festung entworfen, Apsis mit Zinnen und quadratischer Turm mit Mudejar-Anklängen. Convento de las Carmelitas Descalzas (1670): weitläufige Backsteinfassade im reinen Madrider Barock.
Rund um einen kleinen Brunnen errichtet, den Hernando de Alarcón käufich erwarb. Fuente de las Escorzoneras: Werk von Ventura Rodríguez, um den Brunnen herum wachsen zahlreiche Heilkräuter.
Der Ortsname verweist auf die "Majadas" (Pferche), an denen die Schäfer mit ihren Herden auf ihrem Zug nach den feuchteren Ländereien des Nordens halt machten. Heutzutage eine Wohnstadt mit einem großen Freizeit- und Kulturangebot.
Iglesia de San Miguel: gotischer Gottestempel aus dem 16. Jh., der Backsteinturm zeigt deutlich Einflüsse des Mudejarstils, Presbyterium mit Kruzifix aus dem 17. Jh. Der ausgedehnte Steineichenwald der Gemeinde geht in den Monte de El Pardo über.
Seine
15.000 ha stellen eine der größten Reserven an mediterranem Wald in Europa dar;
dichter Bestand an Steineichen, Korkeichen, Wacholder, Eschen, Schwarzpappeln, Zenneichen,
Zistrosen usw., in dem Wildschweine, Damhirsche, Rehe, Kaninchen, Kaiseradler, Mönchs-
und Gänsegeier, Wildkatzen, Dachse etc. beheimatet sind. Palacio de El Pardo: Nach
dem Brand des ehemaligen Jagdpavillons im Jahr 1605 beauftragte Philipp III. den
Architekten Juan Gómez de Mora mit seinem Wiederaufbau. Karl III. und Karl IV. konzipierten
die Gebäude und das Gelände so, wie sie heute zu besichtigen sind. La Casita del
Príncipe wurde von Villanueva auf Anordnung von Karl III. für dessen Sohn Karl
erbaut. Quinta del Duque de Arco: kleiner Palast aus der Zeit Philipp V., der zwischen
Steineichen und Olivenbäumen errichtet und mit Gärten im klassizistischen Stil
verschönert wurde. Convento de los Capuchinos: von Philipp III. gegründet, hier
wird der liegende Christ von Gregorio Hernández angebetet.